Lithium Wirkung auf Psyche und Gehirn: Was das Spurenelement für mentale Stärke bedeutet
Es gibt Zeiten im Leben, in denen man spürt, dass etwas nicht mehr rundläuft – obwohl man eigentlich alles „richtig“ macht. Man schläft genug, ernährt sich bewusst, erledigt seinen Alltag. Und trotzdem ist da dieser Schleier im Kopf. Die Konzentration bricht weg, die Stimmung schwankt, Entscheidungen fallen schwerer als sonst. Es fühlt sich an, als würde der Körper funktionieren, aber das innere System sendet Warnsignale.
Genau in solchen Phasen lohnt es sich, genauer hinzuschauen. Nicht nur auf die bekannten Faktoren wie Schlaf, Hormone oder Ernährung, sondern auch auf Elemente, die lange völlig übersehen wurden. Eines davon ist Lithium – nicht in den hohen therapeutischen Mengen aus der Psychiatrie, sondern in den winzigen, natürlichen Konzentrationen, die früher ganz selbstverständlich über Trinkwasser aufgenommen wurden.
Dass Lithium wieder stärker in den Fokus rückt, ist kein Zufall. Zwei aktuelle Veröffentlichungen haben die Diskussion neu entfacht und erste Fragen aufgeworfen, die für viele Menschen relevant sein könnten:
Beide Artikel greifen auf, was Forscherinnen und Forscher bereits seit Jahren vermuten: Dass Lithium in seiner natürlichen Form eine weit größere Rolle für die Gehirngesundheit spielen könnte, als bislang angenommen.
Warum Lithium wieder in den Mittelpunkt der Forschung rückt
Lithium ist ein Spurenelement. Es kommt in der Natur vor, im Trinkwasser, im Boden und in Lebensmitteln – allerdings in stark wechselnden Mengen. Während manche Regionen natürlich lithiumreich sind, gehören andere zu den lithiumärmsten Gebieten Europas, darunter große Teile Deutschlands.
Schon in früheren Beobachtungen zeigte sich, dass Regionen mit höherem Lithiumgehalt im Trinkwasser niedrigere Raten an Depressionen und Suiziden aufwiesen. Das war lange bekannt, doch die Forschung konnte die genauen Zusammenhänge damals noch nicht vollständig erklären.
Mit modernen Methoden wird nun immer deutlicher, warum diese Beobachtungen so relevant sind.
Lithium und das Gehirn – ein Zusammenspiel, das unterschätzt wurde
1. Lithium und Neuroinflammation
Neuroinflammation beschreibt entzündliche Vorgänge im Gehirn, die beispielsweise durch Stress, Belastungen, Umweltgifte oder Infektionen ausgelöst werden. Diese Prozesse schwächen die Widerstandskraft des Nervensystems, beeinträchtigen Stimmung, Gedächtnis und kognitive Leistungsfähigkeit.
Lithium scheint hier eine regulierende Rolle zu spielen. Studien zeigen, dass bereits natürliche, sehr geringe Mengen ausreichen können, um bestimmte entzündliche Reaktionen abzuschwächen. Das bedeutet nicht, dass Lithium Krankheiten heilt, aber es wirft ein neues Licht auf die Frage, wie sensibel das Gehirn auf Spurenelemente reagiert.
2. Lithium und Neurogenese
Ein besonders spannender Forschungsbereich dreht sich um die Bildung neuer Nervenzellen im Hippocampus – jener Region des Gehirns, die für Erinnerungen, Lernprozesse und emotionale Stabilität entscheidend ist.
Forscher fanden heraus, dass Lithium in niedrigen Konzentrationen die natürlichen Prozesse der Neurogenese unterstützen kann. Das ist bemerkenswert, denn die Fähigkeit, neue Nervenzellen zu bilden, gilt als Grundpfeiler eines gesunden, belastbaren Gehirns.
3. Lithium und psychische Stabilität
Schon frühere epidemiologische Untersuchungen zeigten, dass Bevölkerungsgruppen mit höherem Lithiumgehalt im Trinkwasser weniger psychiatrische Einweisungen, weniger schwere Depressionen und weniger Suizide aufwiesen.
Diese Effekte traten in Bereichen auf, in denen die Lithiumkonzentration nur wenige Mikrogramm pro Liter betrug – also weit unterhalb jeder medizinischen Dosierung. Das legt nahe, dass Lithium ursprünglich ein unauffälliger, aber natürlicher Bestandteil unserer Ernährung war, dessen Fehlen sich erst jetzt bemerkbar macht.

Die Forschung von Dr. Michael Nehls
Der Mediziner und Molekulargenetiker Dr. Michael Nehls gehört zu den wichtigsten Stimmen, die das Thema Lithium in den vergangenen Jahren vertieft haben. In seinen Büchern – unter anderem in „Das Lithium-Komplott“, das sich intensiv mit der Rolle von Lithium für das Gehirn beschäftigt – erklärt er, wie stark Lithium die Neurogenese beeinflussen könnte und welchen möglichen Einfluss es auf neurodegenerative Prozesse hat.
Nehls verweist darauf, dass Lithium nicht nur im Gehirn wirkt, sondern auch bei zellulären Reinigungsprozessen eine Rolle spielt. Diese werden als Autophagie bezeichnet und sind entscheidend dafür, dass Zellen langfristig funktionsfähig bleiben. Während andere Organe regelmäßig erneuert werden, sind Nervenzellen darauf angewiesen, jahrzehntelang zu bestehen. Jede Unterstützung dieser Prozesse könnte daher eine wichtige Rolle für die langfristige Gehirngesundheit spielen.
Seine These lautet: Nicht übermäßige Zufuhr sei das Problem unserer Zeit, sondern ein deutlicher Rückgang der natürlichen Lithiumaufnahme im Vergleich zur frühen Menschheitsgeschichte.
Was bedeutet das für moderne Lebensgewohnheiten?
Der heutige Mensch nimmt deutlich weniger Lithium auf als frühere Generationen. Gründe dafür sind unter anderem:
- gereinigtes Trinkwasser
- ausgelaugte Böden
- veränderte Ernährungsgewohnheiten
- geringerer Fisch- und Meeresfrüchtekonsum
Während unsere Vorfahren Lithium natürlicherweise über Wasser und Nahrung in Mikromengen aufnahmen, ist diese Quelle heute weitgehend versiegt.
Die aktuelle Forschung zeigt daher vor allem eines:
Lithium verdient mehr Aufmerksamkeit, nicht als Medikament, sondern als Spurenelement, dessen Bedeutung wir erst wieder neu verstehen lernen.

Fazit
Lithium ist kein Wundermittel und auch keine schnelle Lösung. Aber es ist ein faszinierender Baustein der Gehirnchemie, den wir über Jahrzehnte kaum beachtet haben. Immer mehr Forschungsergebnisse deuten darauf hin, dass Lithium in sehr kleinen Mengen wichtig für Stimmung, Resilienz, Gedächtnis und langfristige Zellgesundheit sein könnte.
Die wissenschaftlichen Diskussionen stehen erst am Anfang, aber eines ist klar: Dieses Spurenelement verdient einen Platz im Gespräch über mentale Gesundheit. Sowohl die großen Medienbeiträge als auch die Arbeiten von Dr. Michael Nehls haben dafür gesorgt, dass Lithium nun dorthin rückt, wo es hingehört – in den wissenschaftlichen, gesellschaftlichen und gesundheitlichen Fokus.













